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Stottertherapie-Lexikon

 

Aetiologie: Lehre von den Ursachen, insbesondere den Krankheitsursachen
Anamnese: Krankengeschichte; Art, Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden, die im ärztlichen Gespräch mit dem Kranken oder dessen Angehörigen erfragt werden; neben der aktuellen Anamnese lassen sich die frühere, allgemeine, soziale, biographische und familiäre Anamnese erheben
Angst: beengendes Gefühl unmittelbarer Bedrohung, das vom Willen und der Vernunft nicht kontrollierbar ist
Artikulation: Sprechlautbildung mit Hilfe der Mundwerkzeuge
Atemtechnik: Bestandteil herkömmlicher Therapien; Hauptbestandteil vieler ® eindimensionaler Therapien, welche den Anspruch erheben, Stotternde allein durch bewußte Steuerung der Atmung zu "heilen"

Balbuties: medizinische Bezeichnung für Stottern
Behinderung: allgemeine Bezeichnung für Einschränkung des Wahrnehmungs-, Denk-, Sprach-, Lern- und Verhaltensvermögens
Breakdown-Theorie: Stottertheorie, bei der angenommen wird, dass das einzelne Stottersymptom aufgrund eines momentanen Versagens der komplizierten Koordination der am Sprechen beteiligten Systeme zustande kommt

Disposition: Krankheitsbereitschaft; die angeborene oder erworbene Anfälligkeit eines Organismus für eine Erkrankung
Dysphemia: (ein in etwa) schlechter bzw. fehlerhafter Vollzug eines Sprechvorgangs; (ziemlich ungebräuchliches) Synonym für Stottern

eindimensionale Therapien: Methoden, welche von den vielen am Sprechen beteiligten Prozessen nur einen einzelnen Aspekt als für das Stottern verantwortlich ansehen und sich weitgehend auf dessen Veränderung beschränken
Entwicklungsstottern
: Unterbrechungen des Redeflusses, die bei Kindern im Vorschulalter als Ausdruck einer Entwicklungskrise, Störung der Interaktion oder Diskrepanz zwischen Sprech- und Sprachvermögen, Denkvermögen und Mitteilungsbedürfnis interpretiert wird

Fluency Shaping: symptomorientierter Stottertherapie-Ansatz, der im Gegensatz zum  ®  Nicht-Vermeidens-Ansatz das Ziel hat, eine flüssige Sprechweise aufzubauen
Flüssiges Stottern: Stottern ohne Anspannung und Anstrengung; Ziel der Stottermodifikations-Methode nach Van Riper

Ganzheitlicher Ansatz: s. holistischer Ansatz

Heilung: medizinisch betrachtet die vollständige oder nur teilweise (Defektheilung) Wiederherstellung der Gesundheit (bzw. des Ausgangszustandes) nach einer Krankheit
Hirnhälften-Dominanz
: Spezialisierung einer Seite aufgrund der unterschiedlichen Funktionen der beiden Gehirnhälften
Holistischer Ansatz: Beachtung des Zusammenspiels aller Teilkräfte im Ganzen

idiographisch: das Eigentümliche, Besondere beschreibend; wissenschaftstheoretisch: Orientierung am Einzelfall (bei Menschen) einschließlich der Lebens- und Familiengeschichte
idiopathisches Stottern
: sogenanntes "erworbenes" Stottern, dass bereits in früher Kindheit beginnt und unter welchem 99% der Stotternden leiden (im Abgrenzung zum neurogenen, traumatischen und psychogenen Stottern)
in senso
: Vorbereitung auf die Bewältigung einer Alltagssituation durch vorherige gedankliche Vorstellung
integrativ: Sichtweise, welche verschiedene Elemente, zum Beispiel Einzeltheorien oder Teile davon zu einer in sich konsistenten neuen Sichtweise verbindet
in vivo: Ausprobieren neu erlernter Fähigkeiten in einer bewußt aufgesuchten Alltagssituation
Intervalltherapien: Therapieform, bei der von vornherein zeitliche Unterbrechungen eingeplant werden

Kinästhesie: Empfindung der Bewegung des Körpers als Qualität der ® Propriozeption
Kinästhetisches Feedback: Rückmeldungen bestimmter Bewegungen an das Zentralnervensystem
Kinesiotherapie: Bewegungstherapie
Klient: psychotherapeutische Bezeichnung für eine Person, die therapiert wird
Klonus, klonisches Stottern: Wiederholung von Lauten, Silben oder Wörtern
Koartikulation: Zusammenführen von zwei oder mehr Lauten
kognitive Verhaltenstherapie: psychologische Stottertherapie, die sich mit dem Komplex von Wahrnehmung, Denken, Erkennen, Erinnern usw. beschäftigt
Krankheit: Störung der Lebensvorgänge in Organen oder im gesamten Organismus mit der Folge von subjektiv empfundenen bzw. objektiv feststellbaren körperlichen, geistigen bzw. seelischen Veränderungen

Lateralisierungshypothese: Stottertheorie, dergemäß stotternde Personen im Gegensatz zu nichtstotternden keine klaren kortikalen (von der Großhirnrinde ausgehenden) Dominanzverhältnisse für Sprechen und Sprache aufweisen
limbisches System: funktionelle Einheit aus Strukturen verschiedener Hirnanteile (Groß-, Zwischen-, Mittelhirn), die die Kerngebiete des Hirnstammes und den Balken wie ein Saum (Limbus) umgeben; Schaltstelle für die emotionale Bewertung von Situationen

Modifikationstechniken: in der ® Stottermodifikations-Therapie angewendete Techniken zur Stotterkontrolle, die am einzelnen Symptom ansetzen und es verändern

Nicht Vermeiden: englisch "non avoidance", Stottertherapie-Ansatz, der im Gegensatz zum ®  fluency shaping-Ansatz das Ziel hat, Vermeidungsverhalten abzubauen

Organe: Teile des Körpers, die sich aus unterschiedlichen Geweben zusammensetzen und spezielle, gemeinsame Aufgaben erfüllen

Patient: medizinische Bezeichung für eine kranke Person, die behandelt wird
Physiologische Abläufe: körperliche Vorgänge, die dem Aufbau und der Funktion der beteiligten Organe entsprechen
Poltern: häufige Sprachstörung mit zu hastigem Sprechen und dadurch bedingter Unverständlichkeit der Sprache, welche oft zusammen mit Stottern auftritt
Primärsymtomatik: Stotterblocks als Klonus oder Tonus
Prolongation: Verlängerung eines Lautes als Form eines Stottersymptoms
Propriozeption: Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum; durch spezifische Rezeptoren registrierte Informationen über Muskelspannung, Muskellänge und Gelenkstellung
Prosodie: Gestaltung des sprachlichen Ausdrucks durch Veränderung der Tonhöhe, Lautstärke oder Geschwindigkeit
Pseudostottern: in der ®  Stottermodifikations-Therapie angewendeter willentlicher, konzentrierter und gezielter Einsatz von Stottersymptomen zum einen, um Sprechbewegungsabläufe nachzuvollziehen, zum anderen um den Stotterer zu desensibilisieren
Psychodynamik: in der psychoanalytischen Theorie Bezeichnung für die ständige Wechselwirkung zwischen den Instanzen Ich, Es und Über-Ich
Psychotherapie: Behandlung von psychischen (und damit auch Stottern), emotionalen oder psychosomatischen Erkrankungen und Störungen sowie von Verhaltensstörungen mit aus der Psychologie stammenden Verfahren

Redeflussstörung: Unterbrechungen des Sprachflusses, deren bekannteste Form Stottern ist
Remission: Zurückgehen von Krankheitserscheinungen
Rolandisches Operculum: Hirnregion, in der die Bereiche der Sprechplanung, Bewegung des Mundes/ Rachens, Artikulation und Empfindung des Mund- und Rachenraumes miteinander verknüpft sind

Sekundärsymptomatik: Dyskoordination zwischen Atmung und Stimmgebung, Sprechangst, Vermeidungsverhalten, Mitbewegungen
Selbstbehauptungstraining: Übungen zur Entwicklung von Fähigkeiten, in Problem- oder Konfliktsituationen den eigenen Standpunkt behaupten zu können
somatisch: körperlich (im Gegensatz zu psychisch)
Spontanremission: Verschwinden einer Krankheit oder Störung ohne gezielte Behandlung
Sprachzentrum: Oberbegriff für Areale der Großhirnrinde für das Sprechen und Erkennen gehörter bzw. gesehener Sprache: Das motorische Sprachzentrum (Broca-Sprachzentrum, Koordination der Sprechmuskeln), das sensorische Sprachzentrum (Wernicke-Sprachzentrum, Erinnerungszentrum für gehörte Wörter und Wortklänge) und das optische Sprachzentrum (Erfassen und  Verstehen gelesener Sprache und optischer Gegebenheiten)
Sprechorgane: ® Organe, welche am Sprechvorgang beteiligt sind: Das Gehirn (® Sprachzentrum), Bauch, Lunge, Zwerchfell (Atmung, s. auch ® Atemtechnik), Kehlkopf/ Stimmlippen, Resonanzräume (® Stimmgebung), Mund (® Artikulation)
Stationäre Behandlung: Aufenthalt in einer Klinik oder in einem Sprachheilzentrum mit täglichen Behandlungseinheiten
Stimmgebung: durch Stimmlippen erzeugte Schwingungen der luftgefüllten Hohlräume des Körpers
Stottern: neurophysiologisches Defizit in Form einer vererbten Prädisposition
Stottermodifikation: englisch "stuttering modification", einer der bekanntesten Nicht-Vermeidens-Ansätze (engl. non avoidance), entwickelt von Charles Van Riper
Symptom: allgemein eine Beschwerde, ein fassbares Krankheitszeichen; speziell ein Stotterblock

Tonus, tonisches stottern: Blockierng des Sprachablaufs
Transfer: Übertragung therapeutischer Erfolge von der Therapiesituation in den Alltag

Uebungssprache: für die Therapiesituation veränderte Sprechweise, die nur in der Übungssituation eingesetzt werden soll
Umweltfaktoren: Einflüsse aus der sozialen Umgebung wie z.B. der Familie oder dem Freundeskreis

Van Riper-Therapie: s. Stottermodifikation
Vollremission: Zustand nach Therapie, der eine Krankheitsfeststellung mit den üblichen Mitteln nicht mehr ermöglicht

Wahrnehmung: Prozess der Verarbeitung von Empfindungen, die über die Sinnesorgane an das Gehirn weitergeleitet werden

 

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